Geburtsbericht einer geplanten Bauchgeburt, Juni 2022

 

​Danke - danke, dass ich dich und deine Familie bei deiner geplanten Bauchgeburt begleiten durfte.
Für deine Mutter war klar, dass du per Kaiserschnitt zur Welt kommen wirst. Schon deine grossen Brüder, die lebhaften Zwillinge, sind so geboren worden.

Während der Schwangerschaft haben wir besprochen, wie dein Geburtstag ablaufen soll, welche Begleitung sich deine Mama von mir wünscht und wie die Zeit danach sein wird.

Ende Juni war es endlich so weit, der Tag, an dem du zur Welt kommen wirst stand fest und ich traf deine Eltern im Spital.

Deine Mama war sehr nervös und aufgeregt. Diese Geburt wollte sie anderst erleben als die erste, bewusst und im Vertrauen zu dir und sich selbst.

Gegen Mittag ging’s los. Die liebe Hebamme, dein Papa und ich begleiteten deine Mutter in den Operationssaal.

Dein Vater wartete draussen auf dich und ich hatte die grosse Ehre, neben deiner Mama zu sein.

Die Ärztinnen starteten und nach einer Weile hörten wir dich, dein erstes „Hallo, da bin ich!“ Schnell wurdest du warm eingewickelt und kamst zu deiner Mutter.

Sie weinte vor Glück, dich endlich in den Armen zu halten. Ich durfte ein paar Fotos machen und dann ging’s für dich kurz nach draussen, wo dein Papa auf dich wartete.

Du wurdest untersucht, alles bestens. Danach gab’s noch eine Kuschelrunde bei Mama während die Ärztinnen deine Mama versorgten.

Nachher wurdest du von der Hebamme und deinem Papa ins Gebärzimmer gebracht, wo es schön warm war.

Deine Mama und ich kamen kurze Zeit später nach.

Gleich durfest du wieder zu Mama auf die Brust und hast dich sofort wohl und geborgen gefühlt.

Dein Papa ging los, um sich um deine Brüder zu kümmern.

Deine Hebamme checkte immer wieder die Sauerstoffsättigung im Blut, war aber mit dem Resultat nicht ganz zufrieden. Deshalb ging sie mit dir in ein anderes Zimmer um einen genaueren Check machen zu können. Ich blieb an deiner Seite, damit du nicht allein warst.

Es zeigte sich, dass du sehr angestrengt atmen musstest und dass auch diese Anstrengung nicht reicht, um die Sauerstoffsättigung halten zu können.

Die Hebamme besprach sich mit den Ärztinnen. Sie gaben dir mit einer winzigen Maske zusätzliche Atemunterstützung, was dir half, ruhiger zu Atmen.

Leider verbesserte sich dein Zustand nicht wie erhofft und ein Team aus Kinderärzten aus einem anderen Spital wurde gerufen.

Inzwischen war dein Papa wieder gekommen und wich nicht von deiner Seite, während ich bei deiner Mama war.

Schnell stand für das Ärzteteam fest, dass sie dich mitnehmen werden.

Ein Schock für alle Beteiligten. Gerade für deine Eltern sehr schwierig anzunehmen, denn sie sollten dich bei sich haben, dich kennenlernen und mit dir kuscheln.

Deine Mama wollte dich unbedingt nochmal sehen, also schoben wir dein Bett in das kleine Untersuchungszimmer. Du konntest so nochmal kurz deine Mama hören und spüren bevor du dann in dem durchsichtigen Kasten, voller Kabel und Schläuche, hinausgeschoben wurdest.

Ein trauriger Anblick, der mir das Herz zerriss. Genau so ging es auch deinen Eltern. Viele Tränen flossen, viele offene Fragen und ganz viele Ängste erfüllten den Raum.

 

Deine Mama konnte glücklicherweise am nächsten Morgen zu dir ins Spital wechseln. Sie pumpte Muttermilch ab, welche du dann über die Magensonde bekamst und besuchte dich wann immer möglich.

 

Heute besuchte ich euch Zuhause und freute mich sehr darauf. Eine glückliche Familie traf ich an. Ja, die Tage und Nächte mit drei Kindern sind ultrastreng aber deine Mama und dein Papa meistern die Herausforderungen so toll.

Du bist gross und stark geworden und ich bin froh, merkt man dir heute deinen holprigen Start ins Leben nicht mehr an.

 

Dir kleine, grosse Kämpferin wünsche ich ein erfülltes Leben. Und dir, liebe Löwenmama danke ich von tiefem Herzen, dass ich dich beim Mutterwerden begleiten und so viel von dir lernen durfte.